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Jahrestagung des 


Netzwerks konfessionsverbindender Paare und Familien

am 26. – 28. Januar 2001 in Heilsbronn bei Nürnberg.

An der Jahrestagung des Netzwerks konfessionsverbindener Paare und Familien in Heilsbronn bei Nürnberg nahmen 32 Erwachsene und 8 Kinder teil. Das Thema lautete: Glaubensalltag in der konfessionsverbindenden Ehe und Familie. Bei der Vorstellungsrunde und während der gesamten Tagung nahm der Erfahrungsaustausch zwischen den Paaren über die unterschiedlichen Formen der Glaubenspraxis in den Familien und die Mitarbeit in den jeweiligen Kirchengemeinden einen breiten Raum ein.

Im ersten Referat betonte Prof. Otto Hermann Pesch (röm.-kath.), dass sich die konfessionelle Mischung der Bevölkerung in Deutschland als einzigartige Chance für ein neues oekumenisches Miteinander erwiesen habe. In seinen Thesen definierte er „Glauben" als Hingabe an Gott und Geschehen-lassen, was Gott an uns tut. Um diesen Glauben wissen wir durch die Kirchen, aber die Kirchen können den Glauben nicht machen! Für den Glaubensalltag der konfessionsverbindenden Paare besonders wichtig war die Aussage, dass es gegen ein gemeinsames Herrenmahl - gleichviel in welcher Kirche - keine theologischen Einwände gibt.

Kirchenrat Dr. Hövelmann (evang.-luth.) ging auf die Spannungen zwischen Seelsorge und Kirchenrecht ein. Aber auch er stellte - in Übereinstimmung mit Prof. Pesch - fest: Zwischen katholischem und lutherischem Abendmahlsverständnis gibt es keine Differenz, die eine Kirchentrennung rechtfertigt. Seine Meinung, dass eine intentionale Partizipation an der Kommunion ( sog. „geistige Kommunion" als innerliche, nur gedankliche Teilnahme) manchmal empfehlenswert sei, stieß allerdings bei den Teilnehmern auf heftigen Widerspruch. Hier zeigte sich, wie schwierig es für einen Aussenstehenden ist, der nicht selbst in einer konfessionsverbindenden Ehe lebt, sich in den Schmerz eines Paares bei der Trennung am Tisch des Herrn hineinfühlen zu können.

Prof. A. Heron (evang.-reformiert) stellte in seinem Referat fest, dass die pastorale Situation der „Mischehe" von den Theologen ernst genommen werden muss. Er ging auf die Geschichte der oekumenischen Bewegung ein und wies darauf hin, dass die Kenntnis dieser Geschichte - wie überhaupt der Kirchengeschichte - nicht nur interessant und lehrreich, sondern auch befreiend sei!

Besonders eindrucksvoll für alle Tagungsteilnehmer war die Vernetzung auf internationaler Ebene: Zwei Teilnehmerinnen aus England berichteten über die Aktivitäten der AIF (Association of Interchurch Families) und eine Teilnehmerin aus Lyon erläuterte, wie in Frankreich konfessionsverbindende Familien - dort als „Foyers Mixtes" bezeichnet - zusammenarbeiten. Dabei kam auch zur Sprache, dass ein zweites Welttreffen konfessionsverbindender Paare und Familien vorbereitet wird, das im Jahre 2003 in Rom abgehalten werden soll (ein erstes Welttreffen hatte 1998 in Genf stattgefunden).

Ein Höhepunkt der Jahrestagung war am Sonntag Vormittag die gemeinsame Feier des Herrenmahls nach der ökumenischen Lima-Liturgie, die von einigen Teilnehmern der Tagung gemeinsam vorbereitet worden war. An diesem Gottesdienst waren auch die Kinder aktiv beteiligt, die während der Tagung gut betreut worden waren.

Im Schlussgespräch wurde als Thema für die Jahrestagung 2002 vereinbart: Theologie und Praxis des Herrenmahls in oekumenischer Perspektive.

Rosmarie und Rudolf Lauber