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Seit dreissig Jahren Seminare fuer konfessionsverschiedene Paare und Familien am 23. bis 25. April 1999 im Kloster Neresheim

 Vielleicht gibt es keinen Ort in der Bundesrepublik Deutschland, an dem schon so lange und so regelmaessig derartige Wochenendtagungen stattfinden wie in der Benediktinerabtei Neresheim. Diesmal war es eine kleine Jubilaeumsveranstaltung, zu der sich auch „alte Hasen" eingefunden hatten. Da ein Ehepaar beim letztjaehrigen internationalen Kongress konfessionsverschiedener Ehepaare in Genf Kontakte zum Ausland gefunden hatte, konnten Père René Beaupère OP, Gruender und Leiter des oekumenischen Zentrums Saint-Irenée in Lyon sowie Frau Claire Malone-Lee, Reverend Martin Reardon und seine Frau Ruth von der AIF (Association of Interchurch Families) aus London als Referenten gewonnen werden. Ueber dreissig Teilnehmerinnen und Teilnehmer hielten Rückblick und Ausblick.

Ging es in frueheren Jahren darum, die Probleme und die Chancen der Konfessionsverschiedenheit zu eroertern, so steht heute der Glaube als solcher in Frage. So lag es nahe, dass Referate und Erfahrungsberichte um dieses Thema kreisten: „Auf der Suche nach Wegen des Glaubens für uns und unsere Kinder".

Die wichtigste und schwierigste Frage war in all den Jahren: Wie gestalten wir unseren Gottesdienst? Einmal im Jahr wollten die Familien eine gemeinsame Feier des Herrenmahls begehen. Über das Ringen miteinander und mit den Kirchenleitungen um einen verantwortbaren Vollzug koennte lange berichtet werden. Oft wurde die Fuerbitte gesprochen: „Herr, zeige uns und unseren Kirchenleitungen den Weg zur Gemeinschaft im Herrenmahl!" Nach mehreren Anlaeufen mit verschiedenen Modellen wurden wir zu einer Form gefuehrt, in der die Gleichrangigkeit von Wort und Sakrament zum Ausdruck kommt: Der evangelische Pfarrer übernahm die Predigt, der katholische Priester die Eucharistie. Bei der Austeilung der Kommunion bediente der evangelische Pfarrer den Kelch.

Da es in den letzten Jahren schwieriger wurde, genuegend Teilnehmer für diese Seminare zu finden, wurde beschlossen, die Wochenendverandstaltungen in der bisherigen Form zu beenden und zu versuchen, vom kommenden Jahr an Ehevorbereitungs-Seminare für konfessionsverschiedene Paare durchzufuehren. Dabei koennten aber auch einige schon verheiratete Paare auf Grund ihrer Erfahrung Wesentliches beitragen.

Die Zahl konfessionsverschiedener Ehen wächst und es ist zu befuerchten, dass nicht wenige dieser Familien den Kirchen verlorengehen, weil sie von der Aufgabe überfordert sind, sich kirchlich zu orientieren und zu beheimaten. Die Gestaltung eines christlichen Familienlebens stellt hier erhoehte Anforderungen. Deshalb sollten die Kirchen diesen Paaren und Familien verstaerkt entsprechende Angebote machen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diejenigen Paare und Familien, die sich der Aufgabe gestellt haben, nicht selten zu Pionieren der Oekumene und zu Brueckenbauern zwischen den Gemeinden geworden sind. So haben sie auch ihren eigenen Glauben vertieft. Hier kann man tatsaechlich von konfessions-verbindenden Familien sprechen.

Pater Beda Müller OSB, Neresheim, und Pfarrer Peter Hompa, Leonberg-Gebersheim.